Sie sind hier

Helfer, Monika: Vati

MONIKA HELFER: VATI
Hanser Literatur Verlag, 176 S., ©2021
 
Monika Helfer schreibt fort, was sie mit ihrem Bestseller „Die Bagage“ begonnen hat: ihre eigene Familiengeschichte. 
Nach der Geschichte ihrer Mutter und Großmutter widmet sich die Autorin der Biografie ihres Vaters Josef. Im Lungau als uneheliches Kind einer Magd geboren, konnte er dank herausragender Leistungen und der Fürsprache eines Baumeisters aufs Gymnasium gehen. Ein halbes Jahr vor der Matura wurde er aber zum NS-Kriegsdienst eingezogen und kam aus Russland mit nur noch einem Bein zurück. Im Kriegslazarett lernte er seine Frau Margarete kennen und zieht mit seiner Familie auf die Tschengla, einer auf 1220m Seehöhe gelegenen Alm in Vorarlberg. Dort wurde der junge Mann Verwalter eines Kriegsopfererholungsheims. Sein Wunsch Chemie zu studieren erfüllte sich nicht mehr, stattdessen widmete er sich seiner Liebe zu Büchern und richtete eine eigene Bibliothek ein. „Er konnte nur mit Lesen überleben“, sagt die Tochter über ihn. Liebevoll schildert sie die stimmungsvollen Leseabende auf der Terrasse, mit Blick ins Gebirge, wenn der Vater seinen Gästen und den Kindern vorlas. Mit dem frühen Tod der Mutter zerreißt das Kindheitsglück.
Monika Helfer umkreist das Leben ihres Vaters aus Erinnerungen. Sie schildert ihn als einen ungewöhnlichen, verschlossenen und sanften Vater, der mit dem Nachkriegstrauma leben musste. Monika Helfer erzählt von ihrem eigenen Aufwachsen in schwierigen Verhältnissen, von Armut und beengten Lebensverhältnissen. „Ja, alles ist gut geworden. Auf eine bösartige Weise ist alles gut geworden.“ Eine berührende, tiefsinnige und liebenswerte Familiengeschichte der Autorin. Großartig geschrieben.